Die 800 Jahre alte Linde – ein Naturdenkmal in Mecklenburg, Müritzer Forst

Versteckt steht sie. Am Ende einer landschaftlichen Sackgasse, im Ort Speck in Mecklenburg. Machtvoll breitet sich der Laubschirm aus. Nicht besonders prachtvoll und inszeniert, z.B. einsam auf einem Feld, von der Sonne beschienen, solitär, sondern man muss die Linde suchen. 800 Jahr Leben und nun lebt die Linde zurückgezogen und dennoch mächtig.

Linde Müritz

Ich nähere mich ihr achtsam. Ich arbeite mit einer Wünschelrute, um das „Tor“ zu finden, um Zugang zu erhalten. Doch die Linde wirkt desinteressiert, nicht abweisend, aber auch nicht einladend.

Ich gehe langsam mit ausgebreiteten Armen auf Sie zu, meine Handflächen sind zur Linde ausgerichtet. Schon gut 10 Meter vor der Linde spüre ich eine starke aurale Kraft. Ca. drei Meter vor dem Laubschirm verdichtet sich die Atmosphäre, das Chi wird noch intensiver. Alles in mir kribbelt. Ich bitte um Erlaubnis, in ihr Reich eintreten zu dürfen.

Es gib kein Willkommen, wie oft bei Linden, sondern ein unmerkliches „Na gut“. Diese Linde wirkt anders, als die meisten Linden, die ich kennen lernen durfte. Ich gehe langsam um den mächtigen Stamm herum, der dennoch auf mich verletzt und verletzlich wirkt, insbesondere von einer Seite (Rückseite), die wie eine offen Wunde daliegt. Äste zeigen sich auf dem mächtigen Stamm wie offen gelegte Muskelstränge. Ca. 2-3 Meter über dem Boden befindet sich ein Feentor, ein Oval für Naturwesen, ein Tor zur Anderswelt, gewachsen aus dem Verwuchs des Stammes. Naturwesen sind definitiv hier überall spürbar.

Diese Linde hat für mich aber nicht die Fröhlichkeit, Weiblichkeit, Sanftheit die man oft in und unter Linden findet. Die weibliche Kraft ist spürbar, aber da ist auch viel Geheimnis, Rückzug, vernarbte Wunden, ein Seufzen und Rauschen im Blattwerk. Vielleicht war es ein Treffpunkt für heimlich Liebende. Ein Ort, um Geheimnisse zu verarbeiten. Ein Platz zum Sinnieren, um den Gedanken nachzuhängen, um mit sich und seinen inneren Geheimnissen und Verletzlichkeiten ins Reine zu kommen. So wirkt sie auf mich.

Da sind auch animalische Aspekte. Es gibt in so alten Bäumen manchmal eine besondere Formensprache, die oft menschliche Aspekte nachbildet, oder man sieht einen Faun, ein knolliges Zwergengesicht, den Köper ein Frau, der sich an Stamm und Ästen anschmiegt oder ein verhuzeltes Baumgesicht in der alten Rinde. Ich nehme an und unter dieser Linde Tierköpfe und Tierkörper wahr. War dies ein Platz, wo Tiere Schutz gesucht haben? Wo sie sich zurückgezogen haben, um sich zu verstecken? Um Wunden zu lecken?

Ich verabschiede mich, wie ich gekommen bin: vorsichtig. Seltsam berührt von einer Linde, die so anders ist, als was ich bisher kennen gelernt habe, wenn ich eine Linde „erfühle“.

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